Andrea Baier im Interview über die Entwicklung der Idee von Eigenarbeit

Andrea Baier, die seit über 10 Jahren als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der anstiftung tätig ist, erzählt in dem Interview über die Entstehung des Hauses der Eigenarbeit, der Urbanen Gärten und der Offenen Werkstätten.

Ein spannender Beitrag, der einen Blick in die Vergangenheit wirft, die aktuelle Situation von alternativen gesellschaftlichen Projekten analysiert und die bestehenden und gewünschten Zukunftsperspektiven erläutert. Wie werden die gemeinschaftlichen Projekte gestaltet? Welche materiellen Ressourcen und gesellschaftliche Strukturen werden für ihre Weiterentwicklung und Verstetigung gebraucht? Was ist notwendig, um neues ökonomisches Denken und Handeln zu verwirklichen? Auf diese und weitere spannende Fragen finden sich Antworten in diesem Interview.

 

Erste Station der Wanderausstellung „zusammen schrauben“ in Pfungstadt.

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Am Samstag, dem Internationalen Repair Day, fand ein XL-Repair Café in der Sport- und Kulturhalle in Pfungstadt statt. Rund 15 Repair Cafés aus der Region haben sich daran beteiligt. Neben dem gemeinsamen Reparieren sorgte ein vielfältiges Rahmenprogramm für Information, Unterhaltung und nicht zuletzt Verpflegung. Zwischen den Aktionsständen und dem leckeren Essen konnte man sich auch unsere Ausstellung anschauen. Hier ein paar Eindrücke:

Ereignisreiche Woche für die Kultur der Reparatur

Vom 18. bis 20.09.2019 findet die dritte internationale Product Lifetimes and the Environment (PLATE) Konferenz in Berlin statt, mit Melanie Jaeger-Erben als Co-Chair der Konferenz. Der Fokus der Veranstaltung liegt auf Langlebigkeit von Produkten im Kontext der Nachhaltigkeit aus politischer, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Sicht. Der thematische Bogen spannt sich von Langlebigkeit und Produktdesign über Kreislaufwirtschaft und Reparatur/Selbermachen-Initiativen bis hin zu Obsoleszenz 4.0 und Digitalisierung.

Direkt im Anschluss findet vom 20. Bis 22.09. das Fixfest_Reparatur-Festival 2019 statt, das von Repara/kul/tur unterstützt wird.  Hier werden Reparierende, Praktiker_innen, Aktivist_innen und Wissenschaftler_innen gemeinsam über das Recht auf Reparatur, Obsoleszenz und zukünftige Strategien diskutieren.

Zu Beginn des Festivals am Freitag, den 20.09.2019, wird die Vernissage unserer REPARA/KUL/TUR-Ausstellung stattfinden, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

 

Interview mit Kristina Deselaers zur Kultur des gemeinsamen Reparierens

Im Rahmen unseres Projektes hat Frauke Hehl ein Expert_innen-Gespräch mit Kristina Deselaers, die 2013 das erste Hamburger Repair Café mitbegründet hat, durchgeführt.

Im Interview erzählt Kristina Deselaers von ihren Erfahrungen in Repair Cafés, die für sie mehr sind als Orte des gemeinsamen Geräteschraubens. Außerdem spricht sie von Veränderung der Verbindung zu den Objekten, die repariert werden und nicht zuletzt von ihren persönlichen Anliegen, wie Politik und Verwaltung Reparatur-Initiativen bestärken können.

Herausforderung soziale Teilhabe – Repair-Cafés als Orte inklusiver nachhaltiger Entwicklung?

In der Zeitschrift Soziologie und Nachhaltigkeit – Beiträge zur sozial-ökologischen Transformationsforschung ist ein Artikel von REPARA/KUL/TUR-ZTG-Team erschienen.

Der Beitrag fokussiert die Frage der Möglichkeiten und Hindernisse für soziale Teilhabe an Repair-Cafés und basiert auf teilnehmender (Selbst)Beobachtungen.

artikel

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Neues Medium für Reparatur-Initiativen

SPLiTTER ist das neue Medium für alle Reparatur-Initiativen im deutschsprachigen Raum. Das SPLiTTER soll die Veilfalt der Reparatur-Initiativen, ihre Erlebnisse und Entwicklungen  dokumentieren. Es ist angelegt wie ein „Fanzine“, ein handgemachtes Magazin von Fans für Fans. Es ist ein offenes Medium entstanden, ohne Seitenzahlen, individuell zusammenstellbar, leicht zu ergänzen – und stilecht mit Schere, Stift und Kleber handgemacht.

https://reparakultur.files.wordpress.com/2019/01/splitter1_2019-1.pdf
Direkt zum SPLiTTER

 

Gedanken über die Reparaturfreundlichkeit der Gerätre

von Walter Röhm (CC BY-NC)

Wie reparaturfreundlich sind Geräte?

Manchmal ist es ärgerlich, dass ein Gerät entsorgt werden muss, weil

  1. ein kleines Teil defekt ist, das als Ersatzteil nicht nachgekauft werden kann
  2. dessen Reparatur zu aufwändig ist
  3. das defekte Gerät beim Auseinanderbau zerstört wird
  4. zum Öffnen des Gerätes Spezialwerkzeug benötigt wird
  5. Sicherheitsaspekte dagegen sprechen (elektrische Kriechströme, Thermoschalter, ect.)

Schraubverbindungen haben den Vorteil, dass sie leicht lösbar sind und so Reparaturen und Umbau­ten erleichtern. Das ist heutzutage offenbar von vielen Herstellern gar nicht mehr gewünscht. Immer öfter werden spezielle Schraubenkopfformen verwendet, für die es keinen gängigen Schraubendreher gibt. Im Folgenden eine kleine Auswahl:

Kopf-Schlitz, Kopf-Kreuzschlitz, Außen-Sechskant, Innen-Sechskant (Inbus), Innen-Sechsrund (Torx), Außen-Vierkant, Innen-Vielzahn (XZN), Innen-Vierkant (Robertson, in Nordamerika).

Meine bisherige Erfahrung im Repair Café ist, dass folgende Punkte die Reparatur öfter erschweren oder unmöglich machen:

  1. Geräte lassen sich schwer auseinander bauen. Oft werden Schrauben mit sehr speziellen Schraub­kopfformen verwendet. Manchmal sind die Schrauben auch versteckt angebracht.
  2. Gehäuse werden durch Kunststoffschnappverschlüsse miteinander verbunden, die nicht oder nur mit Spezialwerkzeug zerstörungsfrei gelöst werden können und oft schwer zu finden sind.
  3. Die defekten Geräte sind so alt, dass es keine Ersatzteile mehr gibt. Typisch sind z.B. defekte An­triebsriemen in alten Kassettenrecordern oder defekte Ein-Aus-Schalter.
  4. Die Geräte sind mechanisch derart komplex und filigran aufgebaut, dass jeder Eingriff die vollständige Zerstörung zur Folge haben kann z.B. Plattenspieler, CD-Player, Kassettenrecorder, Drucker.
  5. Jede Reparatur erfordert ein gewisses Knowhow. Da jedes Mal andere Geräte zur Reparatur ge­bracht werden, kann das Knowhow nur langsam wachsen.
  6. Elektrische Baugruppen werden durch die moderne Elektronik und Software/Firmware immer kompakter und leistungsfähiger. Eine Fehleranalyse ist ohne spezielle Messgeräte kaum, eine Repa­ratur wie z.B. der Austausch defekter Bauelemente oder Nachlöten nur in seltenen Fällen möglich.

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Könnten Geräte reparaturfreundlicher konstruiert werden

Die Verwendung gängiger Schraubkopfformen würde das Öffnen vieler Geräte erleichtern – aber das bedeutet noch nicht, dass sie dann auch repariert werden könnten. In der Regel halten Küchen­geräte ca. 10 Jahre. Wenn sie nach dieser Zeit defekt werden, gibt es oft keine Ersatzteile mehr.

Viele Hersteller versuchen, das Öffnen der Geräte zu erschweren. Gründe könn­ten sein, dass Kun­den nicht schon vor dem Ende der Gewährleistung die Geräte selbstständig öff­nen oder dass die Be­triebssicherheitbeeinträchtigt wird, wenn Laien Geräte zerlegen und mangel­haft wieder zusammen­bauen.

Geräte werden so konstruiert, dass sie vor allem leicht montiert werden können. Schnappverschlüsse sind in der Montage einfacher und billiger als Verschraubungen. Da in der Realität nur relativ weni­ge Geräte repariert werden, würden, wäre die Konstruktion auf leichte Reparierbarkeit optimiert, für den Verbraucher insgesamt höhere Kosten ent­stehen.