Was sind Cultural Probes?

Cultural Probes sind eine Methode aus der Design-Forschung*, die im Interactive Studio in London von Bill Gaver und Kolleg_innen entwickelt wurden. Im Gegensatz zu retrospektiven Methoden (wie Interviews und Umfragen) oder reinen Beobachtungen sollen Cultural Probes einen experimentellen und explorativen Zugang zu den Zielgruppen von Design-Entwicklung und ihren – ansonsten eher schwer zugänglichen – Alltagssituationen und -kontexten ermöglichen. Teilnehmer_innen an Cultural-Probes erhalten meist einen „Kit“ und arbeiten damit eigenständig in ihrem Alltag.

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Cultural Probes bestehen aus verschiedenen, meist kreativen Aufgaben, die von den Zielgruppen selbst im Erleben bearbeitet werden. Dabei kommen Tagebücher, Fotos, Filme, Audioaufnahmen, selbst geschriebene Geschichten oder gezeichnete Bilder, Skulpturen und vieles mehr zum Einsatz.

Während Cultural Probes in Design-Projekten vor allem als Inspirationsquelle für Designer_innen genutzt werden, wird seit Neuestem auch versucht, sie für partizipative, wissenschaftliche Forschung einzusetzen (siehe hier ein Beispiel der Uni Kiel).

Im Projekt Repara/kul/tur wollen wir die Cultural Probes als bürgerwissenschaftliche Methode prüfen und weiter entwickeln. Wird sie von Bürgerwissenschaftler_innen als praktikable, anregende und wissenserweiternde Methode der Selbst-Beobachtung gesehen? Können wir über die Cultural Probes das wissenschaftliche Wissen über die Aneignungen und Alltagsintegration von Reparieren und Selbermachen und die Veränderung von Mensch-Objekt-Beziehungen erweitern?

Um dies herauszufinden, haben wir gemeinsam mit Expert_innen aus dem Repair- und Do-It-Yourself-Kontext sowie in ersten bürgerwissenschaftlichen Erkundungen so genannte Erzählkoffer entwickelt. Die Erzählkoffer werden in ersten den Bürger_innen-Workshop weiter entwickelt und anschließend im Rahmen der eigenen Forschung von den Bürgerwissenschaftler_innen bearbeitet.

In den zweiten Workshops soll eine kooperative Analyse der Ergebnisse und ein gemeinsamer Austausch von Erfahrungen & Erlebnissen (Emotionen, Ideen Wissen, Bedeutungen, usw.) über Reparatur/ Selberamchen  und Mensch-Objekt Relationen stattfinden.

Im Folgenden ein paar visuelle Einblicke in die Erzählkoffer.

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* Beispiel-Literatur:

Gaver, B., Dunne, T., & Pacenti, E. (1999). Design: cultural probes. interactions, 6(1), 21-29.

Gaver, W. W., Boucher, A., Pennington, S., & Walker, B. (2004). Cultural probes and the value of uncertainty. interactions, 11(5), 53-56.